Transformation zu erneuerbarem Strom

Photovoltaik und Windräder für langfristig grünen Strom

Zur Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau ist eine Transformation zu erneuerbaren Energieträgern notwendig. Basierend auf dieser Zielvorgabe leitete sich das übergreifende europäische Ziel ab, bis zum Jahr 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Mit dem europäischen Klimagesetz von Juli 2021 wurden die Reduktionsziele und die Neuausrichtung festgelegt.

Weil die Herstellung von erneuerbarem Strom einfacher zu bewerkstelligen ist als die Herstellung anderer erneuerbarer Energieträger wie Wasserstoff (H2), Biomethan etc., wurden etliche Maßnahmen eingeleitet, die mittel- bis langfristig unweigerlich zu einem deutlich höheren Stromverbrauch führen werden. Die wesentlichsten Bereiche, in denen die Verschiebung stattfindet, sind Automobil (Elektroauto statt Verbrennerauto), Heizungen (Wärmepumpe statt Gastherme oder Ölofen), industrielle Wärmeprozesse (u. a. Lichtbogenofen statt Hochofen mit Erdgasbefeuerung) und gasförmige Energie (Elektrolyseure zur Erzeugung von H2 statt Erdgas). Das alles sind Trends, die begonnen haben, aber ihre volle Wirkung erst entfalten werden.

Parallel und zusätzlich zu den Net-Zero-Bestrebungen gibt es durch die Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) bereits riesige Rechenzentren mit enormem Stromverbrauch. Beispielhaft dafür steht Microsoft, das KI-Software mit gewaltigen Mengen verschiedenster Daten anlernt. Bereits im Herbst 2024 wurde angekündigt, dass ein Reaktor im stillgelegten US-Atomkraftwerk Three Mile Island wieder hochgefahren werden soll, um Strom für Rechenzentren von Microsoft zu liefern. Microsoft sagte zu, die produzierte Energie zwanzig Jahre lang abzunehmen.Es wird das erste Mal sein, dass ein stillgelegtes Atomkraftwerk in den USA wieder ans Netz geht, noch dazu eines, an dessen Standort es 1979 im benachbarten Reaktor einen Sicherheitszwischenfall gab. Die Rechenzentren der KI-Firmen werden überwiegend in den USA stehen, teilweise sind dafür aber auch Standorte in Europa und Asien geplant - ein deutliches Zeichen, dass sich ein enormer Strombedarf anbahnt.Damit die Transformation zu erneuerbarem Strom funktioniert, ist ein Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung (PV-Anlagen, Windkraftanlagen, Wasserkraftanlagen und Biomasseanlagen), der Stromleitungsinfrastruktur und der Stromspeicherung unbedingte Voraussetzung. In der politischen Diskussion nimmt die Zielfestlegung der erneuerbaren Stromerzeugung erstaunlich viel Platz ein, die Infrastruktur hingegen einen sehr bescheidenen. Die Ausbauziele wurden in diversen Gesetzen und Plänen festgelegt, beispielsweise im erneuerbaren Ausbaugesetz EAG, dem integrierten österreichischen Netzinfrastrukturplan ÖNIP und dem nationalen Energie- und Klimaplan NEKP. Die Zielvorgaben differieren, sind aber auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten entstanden. Im EAG wurde ein Ziel von zusätzlichen 27 TWh für eine Realisierung bis zum Jahr 2030 ausgegeben, aufgeteilt auf +11 TWh durch PV-Anlagen (Ziel 13 TWh), +10 TWh in Windkraftanlagen (Ziel 17 TWh), +5 TWh durch Wasserkraftwerke (Ziel 47 TWh) und +1 TWh durch Biomasseanlagen (Ziel 4TWh) (Abbildung 1). Im NEKP werden zusätzliche 35 TWh für das Jahr 2030 festgelegt, im ÖNIP zusätzliche 39 TWh. Bei der PV-Stromerzeugung ist Österreich derzeit auf Kurs, der Ausbau der Windenergie muss jedoch mehr Gewicht bekommen.

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Abbildung 1: Vergleich der aktuellen Jahresproduktion Windenergie und PV in Österreich mit den Zielwerten [Quelle: https://klimadashboard.at/energie/erneuerbare-energien].

Die AMAG hat parallel zur gesetzlichen Entwicklung eine Energieversorgungsstrategie mit dem Ziel erarbeitet, Energie in ausreichender Menge zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar zu haben.Der Einstieg in die Welt der erneuerbaren Energien war für die AMAG die Errichtung der Aufdach-PV-Anlage am Standort Ranshofen in der Größenordnung von 6.500 kWp im Jahr 2021, die kurz danach auf 7.100 kWp erweitert wurde.Im Jahr 2024 wurde eine Vergrößerung der PV-Anlage um weitere 6.000 kWp auf sechs Hallendächern beschlossen. Die Anlage (Abbildung 2) wurde von Mai bis Oktober 2024 vorbereitet und installiert und bis zum Jahresende 2024 planmäßig in Betrieb genommen. Damit wird die PV-Anlage mit etwa 30.000 PV-Modulen auf insgesamt 120.000 Quadratmetern jährlich Energie in der Größenordnung von 13 GWh erzeugen, die von der AMAG verbraucht werden.Das entspricht dem durchschnittlichen Stromverbrauch von 3.700 Haushalten. Diese Anlage ist derzeit die größte PV-Aufdachanlage Österreichs. Doch wenn die Größe der Anlage auch beeindruckend ist, deckt sie beim jährlichen Bedarf der AMAG von 250 GWh nur einen Bruchteil des Strombedarfes.

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Abbildung 2: Teil der Erweiterung Photovoltaik AMAG Werk I
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Abbildung 3: Windkraftanlage Paasdorf | © ImWind, Klaus Rockenbauer

Daher hat die AMAG im Frühjahr 2024 einen langfristigen Stromliefervertrag mit der Firma ImWind über den Zukauf von Grünstrom aus drei Windkraftanlagen abgeschlossen. Diese drei neuen Windräder mit einer Leistung von jeweils 6 MW und einer jährlichen Erzeugungsmenge von 48 GWh stehen in Paasdorf bei Mistelbach im niederösterreichischen Weinviertel (Abbildung 3). Die Windkraftanlagen wurden im Laufe des Jahres 2024 gebaut, im Sommer geliefert und montiert und im vierten Quartal 2024 ans Netz angeschlossen, getestet und in Betrieb genommen. Diese Anlagen sind Stand der derzeitigen Technik und haben eine Nabenhöhe von 169 m, der Rotorradius beträgt 75 m. Diese Dimensionen sind nach wie vor eine technische Herausforderung beim Antransport und der Montage der Anlage, speziell beim Einheben und Einpassen der Rotorblätter in einer Höhe von 169 m. Planmäßig mit 1.1.2025 startete die Produktion durch die Windkraftanlagen und der Liefervertrag der Firma ImWind mit der AMAG. Dieser Stromliefervertrag ist einer der größten Power Purchase Agreements (PPA) für erneuerbare Energie in Österreich und wird 20 Prozent des derzeit jährlichen Strombedarfs der AMAG decken. Damit sind wichtige Schritte hin zu langfristigem Bezug von Grünstrom gesetzt, vor allem auch deshalb, weil die durchschnittliche Realisierungsdauer von Windkraftprojekten in Österreich derzeit bei acht Jahren liegt. Es wurde also schon im Jahr 2017 mit der Planung der nun produzierenden Windkraftanlagen begonnen.Im Jahr 2030 kann die AMAG Bilanz ziehen, wie sich die Stromverbrauchsmenge im Verhältnis zu den gesetzlichen Planungen bzw. Zielvorgaben (EAG, ÖNIP und NEKP) zur tatsächlichen Produktionsmenge und zu den dann noch laufenden fossilen Kraftwerken entwickelt hat. Schon jetzt ist klar, dass die Transformation zu erneuerbarem Strom eine Herausforderung ist und es noch viele Jahre bleiben wird.

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